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1946
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Ende der Freiheit
Finanzen
Ende der Kindheit

1946

Erst im Frühjahr 1946 begann der reguläre Schulbetrieb wieder. Im Winter 45 auf 46 schlossen sich einige Eltern zusammen, wahrscheinlich aus Angst, wir könnten völlig verwildern, und engagierten einen Lehrer, der uns an wenigen Tagen in der Woche nachmittags Unterricht gab in Mathe und Deutsch. Das kostete eine Mark pro Tag und da der Unterricht im Saal einer Gastwirtschaft stattfand, mußte ein jeder Schüler einen Beitrag für die Heizung des Raumes leisten. D.h. wir mußten zum Unterricht entweder ein Stück Holz oder eine Kohle mitbringen, denn der Winter war wie die vorhergehenden sehr kalt.
Frühjahr und Sommer waren dagegen in meiner Erinnerung sonnig und sehr warm. Selten regnete es mal mehrere Tage hintereinander. Und wir waren frei, streunten den ganzen Tag in Wald und Feld umher, als die Verhältnisse begannen, sich zu normalisieren.
Vorher aber kamen die vielen Flüchtlinge aus dem Osten, und die bereits durch die Bombenopfer, die zwangsläufig auf dem Lande Unterkunft suchten, schon engen Wohnverhältnisse wurden noch schlechter. Die Menschen mußten noch mehr zusammenrücken. Meine Mutter wurde Anlaufpunkt für die Verwandtschaft aus Breslau und Umgebung. Hier liefen die neuen Adressen ein und der eine Bruder meines Vaters fand in der Nähe ,an der Weser eine Bleibe. Ein anderer wiederum fand in der Apothekenstraße, ganz in unserer Nähe ein Zimmer für sich und seine Frau, bezw. die Tante hatte das Zimmer und der Onkel war aus der Gefangenschaft entkommen. Unter großen Entbehrungen kam er schließlich bei uns an. Sie blieben nicht. Irgendwann hieß es, die Flüchtlinge könnten wieder zurück in ihre Heimat, und sie wollten es unbedingt, obwohl ein jeder ihnen davon abriet. In Görlitz blieben sie schließlich hängen. Der Onkel starb sehr bald und die Tante wollte beim Grabe ihres Mannes bleiben. Der jüngste Bruder meines Vaters kam nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft auch zu uns. Mit anderen Verwandten zog er so nahe wie möglich an die westliche Grenze unseres Vaterlandes, denn für sie war es ja schon die zweite Vertreibung.