1944

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Bomben
Kassel
Vater vermisst
Jungvolk

Bomben über Hofgeismar

1944 verstärkten die „Feinde“ die nächtlichen Luftangriffe auf die Großstädte. Die deutsche Luftwaffe war wohl bereits ziemlich dezimiert worden und wenn die feindlichen Bombergeschwader auf dem Weg zu ihren Zielen unseren Luftraum durchflogen gab es erst Voralarm, dann Hauptalarm und schließlich wieder Entwarnung. Das Geheule der Sirenen war ein furchtbares Geräusch, und anfangs gingen wir in die Keller oder aber auf den Turnhagen, wo ein Erdbunker gebaut worden war. Auf Bänken sitzend warteten wir dann auf die Entwarnung. Ein Luftschutzwart sorgte für Ordnung und darauf daß kein Licht angezündet wurde. Denn es bestand ja Verdunkelungspflicht. Abends gingen Wärter durch die Straßen und wenn irgendwo durch die abgedunkelten Scheiben ein Lichtstrahl zu sehen war, schrien sie: „Licht aus „. Wenn nicht sofort reagiert wurde, flog auch schon einmal ein Stein in die Fensterscheibe, und Fensterglas war kaum noch zu bekommen. Der Erdbunker war ohne Tür auch tagsüber offen und natürlich wurden dort auch einige menschliche Tretminen abgelegt, in die man abends im Dunkeln auch prompt hinein trat. Als die Erwachsenen sich einmal beim Luftschutzwart darüber beschwerten, antwortete dieser: „Besser Tretminen von unten, als Luftminen von oben. Wir gingen später gar nicht mehr dorthin. Jeder Haushalt hatte damals eine Karte des Reichsgebietes, und die war in Quadrate eingeteilt. Jeder Haushalt hatte damals auch ein Radio, den sogenannten Volksempfänger. Wenn nun abends die Sirene heulten, stellten die Erwachsenen das Radio an. Eine monotone Stimme unterrichtete die Zuhörer, in welchem Planquadrat sich die feindliche Luftflotte gerade befand und die Erwachsenen entschieden dann, ob die Gefahr eines Angriffes für uns bestand oder nicht. War zu befürchten, daß Kassel das Ziel der Bomber sein könnte,- in Kassel war die Waffenschmiede der Firma Henschel - ging es hinaus aufs Feld zu einer Feldscheune, unter deren vorgeschobenen Dach wir bis zur Entwarnung dann kampierten. Jedes Kind hatte sein Päckchen zu tragen, einen Rucksack oder den Ranzen mit Verpflegung oder etwas zum Trinken. Das wichtigste war ein kleiner brauner Koffer, in dem die wichtigsten Papiere, wie z. B. die Geburtsurkunden, Sparbücher, Versicherungspolicen usw. untergebracht waren.